Verstauchung des Knöchels (Sprunggelenk)
Verstauchungen des Knöchels sind die häufigsten Sprunggelenksverletzungen. Alleine in den Vereinigten Staaten gibt es 2,2 Millionen Fälle pro Jahr (1).
In Frankreich sind Verstauchungen des Knöchels (Sprunggelenks) mit 6.000 Fällen pro Tag ein häufiges Ereignis (2).
70 % der Betroffenen können bereits über einen kurzen Zeitraum nach der ersten Bänderverletzung eine chronische Instabilität entwickeln(1). Aus diesem Grund ist eine angemessene Behandlung unerlässlich.
Zu den häufigsten Verletzungen des Sprunggelenks zählen Verstauchungen (Distorsionen). Darüber hinaus können auch Frakturen und Entzündungen auftreten; in seltenen Fällen entwickelt sich eine Arthrose.
Der Knöchel
Das Sprunggelenk ist ein komplexes Gelenk, das Unterschenkel und Fuß miteinander verbindet. Unterteilt wird es in oberes Sprunggelenk (OSG) und unteres Sprunggelenk (USG).
Morphologisch besteht es aus einer Reihe von Knochen. Dazu gehören die Tibia (Schienbein), die Fibula (Wadenbein), der Talus (Sprungbein) und der Calcaneus (Fersenbein). Das Wadenbein ist der kleinere der beiden Unterschenkelknochen, der Talus bildet den Knöchelknochen. Mehrere Bänder verbinden diese Strukturen miteinander und verleihen dem Gelenk Stabilität.
Sprunggelenksverletzungen können unterschiedliche Strukturen betreffen. Traumatische Verletzungen wie Verstauchungen oder Frakturen betreffen in erster Linie Knochen und Bänder.
Dagegen spricht man von muskulotendinösen Pathologien, wenn Sehnen betroffen sind – hierzu zählen beispielsweise Tendinopathien.
Sprunggelenksverstauchung: ein häufiges Trauma
Knöchelverstauchungen werden durch Überdehnung oder Riss der Bänder im Sprunggelenk verursacht. Dies betrifft in 85 % der Fälle die Seitenbänder(4,5). Eine Verstauchung des Sprunggelenks kann als leicht oder schwer eingestuft werden, je nachdem ob die Bänder überdehnt oder gerissen sind(5).

Die verschiedenen Schweregrade einer Verstauchung:
Leichte Verstauchung (Grad I): Der Patient zeigt nur leichte Schmerzen(6) und ein diskretes Ödem(6). Auch die funktionellen Einschränkungen(6) sind gering, jedoch besteht ein propriozeptives Defizit. In solchen Fällen kann eine Sprunggelenkbandage wie die Malleo PROMASTER Aktiv sinnvoll sein, um das betroffene Gelenk zu stabilisieren und gleichzeitig die propriozeptive Wahrnehmung zu fördern.
Mittelschwere Verstauchung (Grad II): Der Patient verspürt stärkere Schmerzen(6), es kommt zu sichtbaren Schwellungen und Blutergüssen(7). Es besteht eine deutlich eingeschränkte Bewegungsfähigkeit(7) und eine leichte Instabilität(7). Zur Stabilisierung einer Verstauchung in diesem Stadium kann die MalleoDynastab® BOA®-Sprunggelenkorthese von Thuasne eingesetzt werden.
Schwere Verstauchung (Grad III): Anhaltende Schmerzen, starke Schwellungen und großflächige Blutergüsse sind spezifisch für diesen Grad der Verletzung, sowie erhebliche funktionelle Einschränkungen(6). In diesem Stadium sollten Sprunggelenkorthesen zur Ruhigstellung als unterstützendes Hilfsmittel eingesetzt werden.
Bestimmte Faktoren führen eher zu einer Knöchelverstauchung:
- Sportliche Aktivitäten: Verstauchungen gehören zu den häufigsten Sportverletzungen. Besonders bei Kontaktsportarten (z. B. Fußball) oder Pivot-Sportarten mit abrupten Richtungswechseln (z. B. Tennis, Basketball)(8) ist das Risiko erhöht – rund 50 % aller Knöchelverstauchungen entstehen beim Sport(19).
- Alltag und Schuhe: Gehen auf unebenem Untergrund, Rutschgefahr oder das Tragen instabiler Schuhe (z. B. High Heels)(9) erhöhen das Verletzungsrisiko. Auch nicht passende oder abgenutzte Schuhe können zu Instabilität führen(10,11).
- Körperliche Voraussetzungen: Strukturelle Anomalien wie Plattfüße oder unterschiedlich lange Beine gelten ebenfalls als Risikofaktoren(8).
Verstauchter Knöch el: Was tun und wie behandeln?
Die Behandlung einer Knöchelverstauchung folgt in der Regel der sogenannten PECH-Regel (Pause, Eis, Compression, Hochlagern):
- Schonung mit hochgelagertem Bein
- Kühlung zur Schmerzlinderung
- Anlegen eines Kompressionsverbandes(12)
Zusätzlich können bei Bedarf Schmerzmittel(13) sowie Gehstützen eingesetzt werden, um die Belastung zu reduzieren.
Das Sprunggelenk sollte je nach Schweregrad 3 bis 6 Wochen ruhiggestellt werden, beispielsweise mit Sprunggelenkorthesen oder Unterschenkel-Fuß-Orthesen(14). Für die Rehabilitation und den Wiedereinstieg in sportliche Aktivitäten sind Physiotherapie sowie das Tragen einer Sprunggelenkorthese sinnvoll(6).
Liegt eine Fraktur vor, kann eine operative Versorgung, die Ruhigstellung im Gips oder das Tragen eines Walkers erforderlich sein. Wenn Sie den Verdacht auf eine Knöchelverstauchung haben, suchen Sie unbedingt ärztliche Hilfe für eine klinische Untersuchung.
Welche Rolle spielt der Physiotherapeut bei Knöchelverstauchungen?
Der Physiotherapeut spielt eine Schlüsselrolle bei der Rehabilitation und Genesung nach einer Knöchelverstauchung. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit wiederherzustellen und erneuten Verletzungen vorzubeugen – mit einem individuellen, progressiven Ansatz.
1. Verringerung von Schmerzen und Schwellungen
In der Anfangsphase kann der Physiotherapeut Drainagetechniken, Kryotherapie und sanfte Übungen empfehlen, um Entzündungen zu reduzieren und den Komfort zu verbessern(15).
2. Wiederherstellung der Beweglichkeit und Muskelstärkung
Nach Abklingen der akuten Schmerzen beginnt ein Therapieprogramm mit Mobilisations- und Kräftigungsübungen, das die Stabilität des Knöchels und die Wiederherstellung der Beweglichkeit fördert. Ergänzend unterstützen gezielte Gleichgewichts-Trainingsprogramme, um das Risiko einer erneuten Verletzung zu verringern(15).
3. Verbesserung des Gleichgewichts und der Propriozeption
Verstauchungen können die Propriozeption (tiefe Sinneswahrnehmung der Position des Knöchels im Raum) verändern und so das Risiko weiterer Verletzungen erhöhen. Der Physiotherapeut arbeitet mit spezifischen Übungen, um die neuromuskuläre Kontrolle zu stärken und chronische Instabilität zu verhindern(15).
4. Verhinderung eines erneuten Auftretens
Regelmäßige Rehabilitationsübungen senken nachweislich das Risiko erneuter Verstauchungen. Studien zeigen eine Halbierung der Rückfallrate innerhalb von 12 Monaten(16).
HÄUFIG GESTELLTE FRAGEN
Eine Sprunggelenkorthese kann den Knöchel bei Schmerzen, etwa nach einer Verstauchung, ruhigstellen, Bewegungen begrenzen und dem Gelenk Stabilität geben. Damit unterstützt sie die Heilung und ist ein wichtiger Bestandteil der PECH-Regel (Pause, Eis, Compression, Hochlagern) (siehe unseren Artikel dazu).
Anhaltende Schmerzen im Knöchel können verschiedene Ursachen haben, z. B. Verstauchungen, Frakturen, Sehnenscheidenentzündungen oder andere Erkrankungen. In diesen Fällen ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen, um eine genaue Diagnose und die richtige Behandlung zu erhalten. Eine nicht ausreichend versorgte Verstauchung kann langfristig zu Instabilität und chronischen Beschwerden führen.
Die Dauer zur Rückkehr zum Sport hängt stark von der Schwere der Verstauchung ab(17):
- Leichte Verstauchung (Grad I): 1–3 Wochen
- Mittelschwere Verstauchung (Grad II): 4–6 Wochen
- Schwere Verstauchung (Grad III): 6 Wochen bis 3 Monate
Bei leichten bis mittelschweren Verstauchungen (Grad I–II) kann das Gehen meist frühzeitig wieder aufgenommen werden, jedoch mit Vorsicht. Studien zeigen: Anhaltende Schmerzen beim Gehen sind ein Hinweis auf eine ungünstige Langzeitprognose(18).
In solchen Fällen sind Gehstützen oder eine stabilisierende Orthese empfehlenswert, um die Belastung zu reduzieren(6).
Bei einer schweren Verstauchung (Grad III) sollte das verletzte Sprunggelenk zunächst nicht belastet werden. Fehlende Stabilisierung erhöht das Risiko von erneuten Verletzungen und chronischen Schmerzen(18).
In den ersten Tagen: Schonung und Kompression haben Vorrang.
- Sobald die Schmerzen abnehmen und der Fuß stabil genug ist, kann das Gehen schrittweise wieder aufgenommen werden.
- Eine gezielte Rehabilitation mit Bewegungs- und Kräftigungsübungen ist entscheidend, um die Bänder zu stärken und erneuten Verletzungen vorzubeugen(15).
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