Welche Rückenorthese kann Rückenschmerzen lindern?
Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) im Alltag1,2 und betreffen sowohl aktive3 als auch sitzende Menschen. Sie können verschiedene Ursachen haben: starke körperliche Anstrengung, Verletzungen, Fehlhaltungen, chronische Erkrankungen oder Folgen chirurgischer Eingriffe.
In vielen Fällen empfehlen Ärzte, medizinisches Fachpersonal oder Physiotherapeuten das Tragen einer Rückenorthese. Sie kann dabei helfen, den Rücken zu unterstützen, Schmerzen zu reduzieren und die Rückkehr zu alltäglichen Aktivitäten zu erleichtern.
Wie wirkt eine Rückenorthese?
Rückenorthesen sind speziell darauf ausgelegt, bestimmte Bereiche des Rumpfes zu unterstützen, beispielsweise die Lendenwirbelsäule, den Brust- und Lendenwirbelbereich oder die Bauchmuskulatur. Je nach Ausführung verfolgen sie dabei drei wesentliche Ziele:
Stabilisierung des betroffenen Körperbereichs, um den Rücken gezielt zu unterstützen.
Begrenzung bestimmter Bewegungen, wodurch die Belastung von Wirbelsäule, Gelenken und Muskulatur reduziert werden kann.
Linderung von Schmerzen, unter anderem durch die Entlastung und Unterstützung der Muskulatur.
Die richtige Orthese für unterschiedliche Bedürfnisse
Bei der Auswahl einer Rückenorthese ist es wichtig, die Ursache der Beschwerden und den gewünschten Grad an Unterstützung zu berücksichtigen. Wenden Sie sich bezüglich der geeigneten Auswahl an eine medizinische Fachkraft, um die für Ihren Gesundheitszustand am besten geeignete Rückenorthese auszuwählen.
Bei Rückenschmerzen im unteren Rückenbereich:
LWS-Stabilisierungsorthese: können dabei helfen, den unteren Rücken zu stabilisieren, beispielsweise bei einem engen Lumbalkanal, Schmerzen zu lindern und diesen vorbeugend entgegenzuwirken.
Für die passende Auswahl gilt:
Personen, die kleiner als 1,60 m sind, sollten einen 21 cm hohe Rückenorthese wählen.
Personen, die größer als 1,60 m sind, sollten sich eher für eine Orthese mit einer Rückenhöhe von 26 cm entscheiden.
Schwangerschaftsbandage: Lindert schwangerschaftsbedingte Schmerzen im unteren Rücken und Beckenbereich (Schmerzen im Sakrum, Symphyse, schmerzbedingte Symphysenlockerung).
Bei Rückenschmerzen im unteren und oberen Rückenbereich:
LWS/BWS-Entlastungs- und Stabilisierungsorthese/Osteoporose-Orthese: Empfohlen bei spezifischen und unspezifischen Lumbalgien (akutes, subakutes und chronisches Stadium), Kyphose, Lordose, Morbus Scheuermann oder stabilen Wirbelbrüchen.
Orthesen für Bauchwand, Brustkorb und weitere Beschwerden
Abdominalbandage/Bauchgurt: Empfohlen nach einer Operation (Laparoskopie etc.), nach der Entbindung (Kaiserschnitt), bei Muskelschwäche oder bei einem Stoma.
Rippenbandage/Thoraxbandage: zur Stabilisierung des Brustkorbs, geeignet für Rippenfrakturen, postoperative Komplikationen.
Herniengürtel/Bruchband: zur Unterstützung bei bestimmten Formen von Leistenhernien, insbesondere präoperativ.
Auch Ihr Aktivitätsniveau spielt bei der Auswahl der richtigen Versorgung eine wichtige Rolle.
Sitzende Tätigkeit: Wenn Sie viel sitzen oder längere Zeit ruhen müssen, stehen Komfort und angenehmer Tragekomfort im Vordergrund.
Aktiver Alltag: Bei Tätigkeiten mit häufigem Stehen oder wiederkehrenden Bewegungen kann eine Orthese zusätzlichen Halt bieten und den Rücken entlasten.
Hohe körperliche Belastung: Wer regelmäßig schwere Lasten hebt oder körperlich anspruchsvolle Arbeit verrichtet, benötigt häufig eine Versorgung mit höherem Stabilisierungspotenzial.
Wie passe ich eine Rückenorthese richtig an?
Damit eine Rückenorthese optimal unterstützt, sollte sie passend ausgewählt und korrekt angepasst werden. Medizinisches Fachpersonal hilft dabei, die geeignete Versorgung entsprechend Ihrer Beschwerden, Ihrer Körpergröße und Ihrem Aktivitätsniveau auszuwählen.
Bei der eigenen Anwendung sollten Sie folgendes beachten:
Platzieren und zentrieren Sie die Rückenorthese genau an der vom Arzt oder Physiotherapeuten oder medizinischem Fachpersonal empfohlenen Stelle (mittig im Rückenbereich, parallel zur Wirbelsäule).
Schließen Sie die Orthese fest genug, um zu stützen, aber ohne die Atmung oder Durchblutung einzuschränken.
Testen Sie den Sitz der Orthese, indem Sie gehen oder sich leicht beugen, um sicherzustellen, dass Sie sich bequem bewegen können.
Tipp: Bei längerem Sitzen empfiehlt es sich oft, die Orthese etwas zu lockern, um ein unangenehmes Druckgefühl zu vermeiden.
Risiken und Grenzen
Orthesen und Bandagen können die betroffene Körperregion unterstützen, ersetzen jedoch nicht die medizinische Behandlung der zugrunde liegenden Ursache. Für eine optimale Wirkung sollten sie entsprechend der Empfehlung des medizinischen Fachpersonals angewendet werden.
Tragen Sie die Orthese nicht im Schlaf und nur für eine begrenzte Zeit, je nach Aktivität oder Schmerzen. Es ist wichtig, die Empfehlungen des medizinischen Fachpersonals zu befolgen. Bei Beschwerden, starkem Unbehagen, Schmerzen oder ungewöhnlichen Empfindungen die Anwendung unterbrechen und medizinisches Fachpersonal konsultieren
Pflege
Keine Bleichmittel, Weichspüler oder aggressive Reinigungsprodukte (chlorhaltige Produkte usw.) verwenden.
Quellenangabe:
Globale, regionale und nationale Belastung durch Schmerzen im unteren Rückenbereich, 1990–2020, die dafür verantwortlichen Risikofaktoren und Prognosen bis 2050: eine systematische Analyse der globalen Krankheitslaststudie 2021 - The Lancet Rheumatology
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