Knieverstauchung
Das Knie
Das Knie ist eines der größten und komplexesten Gelenke im menschlichen Körper. Es verbindet Oberschenkelknochen, Kniescheibe und Schienbein. Stabilisiert wird es durch ein Zusammenspiel aus Bändern, Muskeln und Menisken. Diese Strukturen sorgen dafür, dass das Knie stabilisiert wird, Bewegungen möglich sind und Belastungen abgefedert werden.1
Das Knie ermöglicht uns, das Bein zu beugen und zu strecken, und trägt dabei bei jedem Schritt einen großen Teil unseres Körpergewichts. Besonders beim Gehen, Laufen, Springen oder bei schnellen Richtungswechseln ist das Knie stark gefordert.1
Was ist eine Knieverstauchung?
Eine Knieverstauchung ist eine Verletzung eines oder mehrerer Bänder im Knie. Bänder sind elastische Gewebestrukturen, die Knochen miteinander verbinden und das Gelenk stabilisieren.2 Werden sie durch eine plötzliche Bewegung, Verdrehung oder einen Aufprall überdehnt oder teilweise bzw. vollständig gerissen, spricht man von einer Verstauchung.
Viele Betroffene fragen sich: Wie fühlt sich eine Verstauchung im Knie an? Typisch sind Schmerzen, Schwellungen und ein unsicheres Gefühl beim Gehen. Je nach Schwere kann sich das Knie nur leicht gereizt anfühlen oder deutlich instabil wirken.
Welche Bänder können bei einer Knieverstauchung betroffen sein?
Eine Knieverstauchung kann verschiedene Bänder betreffen. Jedes Band hat eine wichtige Aufgabe für die Stabilität des Kniegelenks2:
Ruptur des vorderen Kreuzbands (ACL)
Eine Ruptur des vorderen Kreuzbands zählt zu den häufigsten Bandverletzungen am Knie3, besonders bei Sportlern. Sie entsteht oft bei schnellen Richtungswechseln, abruptem Abstoppen oder Verdrehungen.4
Ruptur des hinteren Kreuzbandes (PCL)
Das hintere Kreuzband wird meist durch einen direkten Schlag auf das gebeugte Knie verletzt, zum Beispiel bei einem Sturz oder Verkehrsunfall5.
Verletzung des inneren Seitenbands (MCL)
Eine Verletzung des inneren Seitenbands entsteht häufig durch einen Schlag gegen die Außenseite des Knies oder durch eine plötzliche Drehbewegung. Das kommt zum Beispiel beim Skifahren oder in Kontaktsportarten vor.6
Verletzung des äußeren Seitenbands (LCL)
Verletzungen des äußeren Seitenbands sind seltener. Sie stehen oft mit einem Schlag gegen die Innenseite des Knies in Zusammenhang.7
Knieverstauchung: Symptome2
Die Symptome einer Knieverstauchung können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Häufig sind:
- Schmerzen im Knie, sofort oder erst nach einiger Zeit
- Schwellungen
- ein Gefühl von Instabilität oder „Wegknicken“
- Gelenksteifheit
- Schmerzen beim Beugen oder Strecken
- Schwierigkeiten beim Gehen oder Belasten
Oft fühlt sich das Knie schmerzhaft, geschwollen und unsicher an. Manche Betroffene beschreiben ein Ziehen, Pochen oder ein Gefühl von Instabilität, vor allem beim Auftreten oder bei bestimmten Bewegungen.
Ursachen einer Knieverstauchung2
Eine Knieverstauchung kann verschiedene Ursachen haben. Häufige Auslöser sind:
- eine ungünstige Bewegung oder plötzliche Verdrehung
- ein Sturz
- ein direkter Aufprall auf das Knie
- Sportarten mit schnellen Richtungswechseln
- wiederholte, übermäßige Belastungen bei Arbeit oder Sport.
Risikofaktoren für Knieverstauchungen2,8
Einige Faktoren können das Risiko für eine Knieverstauchung erhöhen:
- Sportarten mit hoher Kniebelastung, zum Beispiel Fußball, Basketball oder Skifahren
- ein plötzlicher Trainingsanstieg
- bereits erlittene Knieverletzungen
- mangelnde Stabilität oder unzureichend trainierte Muskulatur
Welche Schweregrade gibt es bei einer Knieverstauchung?
Nicht jede Knieverstauchung ist gleich. Je nachdem, wie stark ein Band verletzt ist, unterscheidet man verschiedene Schweregrade.
1. Leichte Knieverstauchung
Bei einer leichten Verstauchung ist ein Band überdehnt, aber nicht oder nur minimal verletzt. Die Stabilität des Kniegelenks ist meist nur wenig eingeschränkt. In vielen Fällen heilt die Verletzung mit Schonung und konservativer Behandlung gut aus.9
2. Mittelschwere Knieverstauchung
Bei einer mittelschweren Verstauchung sind einige Fasern des Bandes gerissen. Die Schmerzen sind meist stärker, das Knie schwillt sichtbar an und die Belastbarkeit ist eingeschränkt.9
3. Schwere Knieverstauchung
Bei einer schweren Verstauchung ist ein Band vollständig gerissen. Das Knie kann sich deutlich instabil anfühlen. Je nach Verletzung kann eine intensivere Behandlung oder auch eine Operation erforderlich sein.9
Wovon hängt die Schwere ab?
Wie schwer eine Knieverstauchung ist, hängt nicht nur vom Ausmaß der Verletzung ab, sondern auch davon, welches Band betroffen ist9:
- Verletzungen der Seitenbänder sind oft weniger schwerwiegend.
- Verletzungen eines Kreuzbands, vor allem des vorderen Kreuzbands, gelten häufig als ernster.
- Sind mehrere Bänder gleichzeitig betroffen, kann das Kniegelenk stark an Stabilität verlieren.
- In sehr schweren Fällen kann sogar eine Knieluxation auftreten.
Was tun bei einer Verstauchung im Knie?14
Viele Betroffene fragen sich: Was kann man bei einer Verstauchung des Knies tun?
Wichtig ist zunächst, das Kniegelenk nicht weiter zu belasten. Direkt nach der Verletzung können folgende Maßnahmen helfen:
- Pause machen und das Kniegelenk schonen
- Kühlen
- das Bein möglichst hochlagern
- bei Bedarf das Kniegelenk entlasten, zum Beispiel mit Gehstützen
- bei starken Schmerzen, deutlicher Schwellung oder Instabilität ärztlich abklären lassen
Vor allem dann, wenn das Knie stark anschwillt, Sie kaum auftreten können oder das Gefühl haben, das Gelenk „gibt nach“, sollte die Verletzung medizinisch untersucht werden.
Behandlung einer Knieverstauchung
Die Behandlung richtet sich nach der Schwere der Verletzung, den Schmerzen und der Stabilität des Kniegelenks nach dem Unfall.
Leichte bis mittlere Verstauchung10
Bei leichten und mittelschweren Verletzungen erfolgt meist eine konservative Behandlung. Dazu zählen:¹⁰
- Schonung
- vorübergehende Stabilisierung des Knies, zum Beispiel mit einer Bandage oder Orthese
- Kühlen
- bei Bedarf schmerzlindernde oder entzündungshemmende Medikamente
- Physiotherapie
Die Rehabilitation sollte bei adäquatem und möglichst schmerzfreiem Belastungszustand erfolgen. Ziel ist es, die Beweglichkeit, Muskelkraft und Stabilität des Kniegelenks wieder aufzubauen.
Schwere Verstauchung10
Ist ein Band vollständig gerissen oder das Kniegelenk deutlich instabil, kann eine spezialisierte Behandlung notwendig sein. In manchen Fällen, vor allem bei jüngeren und sportlich aktiven Menschen, kommt auch eine Operation infrage, zum Beispiel bei einer Ruptur des vorderen Kreuzbands.
Welche Rolle spielt die Physiotherapie bei einer Knieverstauchung?
Die Physiotherapie spielt bei einer Knieverstauchung eine wichtige Rolle. Sie hilft dabei, das Knie sicher und schrittweise wieder zu belasten.¹¹
Zu Beginn geht es darum,
- die Beweglichkeit zu verbessern,
- Schmerzen zu lindern,
- Schwellungen zu reduzieren
- und das Knie wieder besser zu strecken und zu beugen.
Im weiteren Verlauf stehen Kräftigungsübungen, Stabilitätsübungen und Koordinationstraining im Mittelpunkt. So kann das Kniegelenk nach und nach wieder belastbarer werden.¹¹
Ziel ist, dass Betroffene wieder sicher in ihren Alltag, in den Beruf und – wenn möglich – in den Sport zurückkehren können.
Q&A
Eine Knieorthese oder Kniebandage kann das Kniegelenk nach einer Verstauchung stabilisieren und schützen. Vor allem bei Bandverletzungen können diese unterstützen, Bewegungen zu führen und das Stabilitätsgefühl zu verbessern.12
Wichtig ist: Eine Bandage oder Orthese sind je nach Empfehlung des Arztes und Art der Verletzung ein wichtiger Baustein in der Therapie.
Wie lange die Heilung dauert, hängt von der Schwere der Knieverstauchung ab. Leichte Verletzungen bessern sich oft innerhalb von einigen Wochen. Bei schwereren Verletzungen oder nach einer Operation kann die Rehabilitation mehrere Monate dauern.11, 13
Wer sich die Frage stellt, „Kann eine Verstauchung ohne therapeutische Unterstützung heilen?“, sollte wissen: Je schwerer die Verletzung ist, desto wichtiger sind Untersuchung, gezielte Therapie und ein abgestimmter Belastungsaufbau.
Ob man mit einer Knieverstauchung laufen oder gehen darf, hängt von den Schmerzen, der Schwere der Verletzung und der ärztlichen Empfehlung ab.14 In den ersten Tagen kann es sinnvoll sein, das Knie nur vorsichtig zu belasten oder vorübergehend Gehstützen zu benutzen. Wenn das Gehen starke Schmerzen verursacht oder sich das Kniegelenk instabil anfühlt, sollte dies ärztlich abgeklärt werden.14
Ob Sie wieder Auto fahren dürfen, sollten Sie im Zweifel mit Ihrem Arzt besprechen. Grundsätzlich sollten Sie erst dann wieder fahren, wenn:
- Sie das Bein sicher belasten können,
- keine starke Einschränkung mehr besteht,
- Sie das Knie ausreichend bewegen können,
- und eine Notbremsung ohne Schmerzen und Unsicherheit möglich ist.
Viele fragen sich: Was ist der Unterschied zwischen einer Verstauchung und einer Prellung?
Bei einer Verstauchung werden vor allem Bänder überdehnt oder verletzt. Das Gelenk kann schmerzen, anschwellen und sich instabil anfühlen.
Bei einer Prellung entsteht die Verletzung meist durch einen direkten Stoß oder Aufprall. Dabei werden vor allem Weichteile wie Muskeln, Gewebe oder kleine Blutgefäße verletzt. Auch eine Prellung kann schmerzhaft sein und zu einer Schwellung führen, aber das Gelenk ist dabei meist nicht so instabil wie bei einer Verstauchung.6, 15
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